Ende Februar haben die Unternehmensberater von McKinsey USA eine Studie über die Erfolgskriterien für Web 2.0-Anwendungen publiziert. Die sechs Thesen sind interessant für interne und externe Blogs, Soziale Netzwerke, Wikis.
Leider muss man registrierter Abonnent Korrigenda: Es genügt, wenn man sich beim «McKinsey Quarterly» registriert (Danke an Martin Koser für den Kommentar), um den Volltext dieser Studie zu lesen. Sie basiert nach deren Angaben auf Untersuchungen bei mehr als 50 Web 2.0-Früheinsteigern und einer Auswahl von Interviews mit Entscheidungsträgern. Die Befragten zeigen sich insgesamt zur gleichen Hälfte zufrieden oder unzufrieden mit ihrem heutigen Einsatz von Blogs, Wikis, Podcasts oder sozialen Netzwerken. Mehr zur gängigen Web 2.0-Definition auf Wikipedia.
Kritiker: Schwierige Anpassung, wenig Werte
Die kritischen Stimmen ärgern sich vor allem über organisatorische Hindernisse, das Unverständnis von Führungskräften für den notwendigen Wandel und die mangelnde Fähigkeit, aus Web 2.0-Werkzeugen wirklich Werte zu schaffen. Und weil derartige Investitionen oft als sehr unsicher eingeschätzt werden, enden Projekte oft kurz nach ihrer Einführung. Weil sie keine wirklich wertschöpfende Beteiligung erreicht haben. Oder weil die Verantwortlichen nicht in der Lage waren, diese Beteiligung bei Mitarbeitenden oder Kunden zu erreichen.
Erst Automation, jetzt Kooperation
McKinsey bündelt EDV-Entwicklungen in den Neunziger Jahren unter dem Stichwort «Automatisierung von Prozessen». Heute wird die Einführung von CRM- oder ERP-Systemen abgelöst durch das «Ermöglichen von Kooperation und Beteiligung». Interessant ist an dieser Gegenüberstellung die Tatsache, dass Web 2.0-Anwendungen einfacher und schneller einzuführen sind. Sie stören zwar die bestehende Struktur und fordern eine neue Kultur – aber technisch lassen sie sich relativ leicht über bestehende EDV-Strukturen legen.
Befürworter: Mehr Beteiligung
Kooperation und Beteiligung zapft kollektives Wissen an. Im Vergleich zu früheren Web 2.0-Erhebungen stellen die Berater fest: Dieser Nutzen führt trotz anfänglicher Frustrationen zu einer immer stärkeren Akzeptanz von Web 2.0-Anwendungen. Für die USA wird das aktuelle Investitionsvolumen auf eine Milliarde USD geschätzt. Was im Vergleich zu den übrigen Informatik-Aufwendungen bescheiden bleibt – doch trotz der aktuellen Rezession sieht McKinsey jährlich 15 Prozent Zunahme über die nächsten fünf Jahre.
Sechs Erfolgsfaktoren
Wie umschifft man die Web 2.0-Klippen mit Erfolg?
- Keine Veränderung an der Basis ohne Unterstützung von oben: Auch wenn Blogs, Wikis oder neue Begnegungsplattformen basisgetrieben sind – die Grasswurzel-Dynamik bleibt nur dann lebendig, wenn wichtige Vorbilder als Rollenmodelle fungieren.
- Benutzer haben die besten Ideen – und brauchen Hilfe: Oft bringt gar nicht das den grössten Erfolg, was sich das Management ausgedacht hat. Durch die Benutzer zeigen sich unerwartete Anwendungen, entstehen neue Prozesse. Die Herausforderung liegt darin, sie schnell zu erfassen und zu unterstützen.
- Keine Chance ausserhalb des Arbeitsalltags: Web 2.0-Anwendungen setzen sich nur dann durch, wenn sie in den täglichen Arbeitsfluss integriert sind. Ohne, dass man neue Programme starten muss, vernetzt mit den wichtigen laufenden Tätigkeiten.
- Setze auf das Ego und die Bedürfnisse der Nutzer: Es genügt nicht, wenn zum Beispiel interne Wiki-Beiträge mit einem Bonus belohnt werden. Mitarbeitende und Kunden machen mit, wenn es ihnen und vor allem auch ihrem Status etwas nützt.
- Fokussiere dich auf die Zielgruppe: Mitmachen ist freiwillig. Umso entscheidender ist der Fokus auf diejenigen Teilnehmenden zu konzentrieren, die Nutzen generieren und für sich selbst Nutzen sehen.
- Ausgleich von Kontrolle und Freiheit: Mitmach-Projekte leben von Basisdemokratie. Doch wenn die Prozesse zuwenig geführt werden, bringen sie genauso wenig Erfolg. Hier gilt es, die schwierige Balance zu finden zwischen Kontrolle und selbstorganisierter Mitwirkung.
Fazit: Dialog ist alles
In diesen sechs Anforderungen zieht sich für mich ein Thema durch – die Offenheit für interne und externe Beiträge, Ideen, Kommentare. Das klingt einfach und logisch, scheitert in der Praxis aber oft an Ängsten und Vorurteilen. Web 2.0 ist das Schlagwort fürs Mitmach-Web und mitgemacht wird nur dort, wo der Absender offen ist für eine authentische Konversation.
Weiterführende Beiträge:
Seminar Corporate Blogging – mehr Erfolg mit Web 2.0-Dialog
Weblog und Wiki im Firmeneinsatz: Folien und fünf Thesen
Studie Web 2.0: Enterprise 2.0 – Einsatz von Wikis und Weblogs in Deutschland
Am Freitag spreche ich zusammen mit Jürg Stuker an der Orbit-iEX über Dialog 2.0 in der internen Kommunikation. Worum geht es? Dazu die Folien, ein Anmelde-Link und fünf Thesen.
Die MAZ/Bernet-Studie Web 2.0 hats gezeigt: Die grössten Schweizer Unternehmen wagen sich langsam an die neuen Dialog- und Mitmachmöglichkeiten heran. Und die Pionierarbeit geschieht zuerst einmal intern: Weblogs und Wikis werden vor allem auf dem Intranet, für die Mitarbeitenden genutzt.
An der Orbit-iEX zeigt der namics-CEO gemeinsam mit mir, was sich so tut in der Landschaft und wohin das führen kann. Dabei zeigen wir konkrete Erfahrungen von Die Post, Kantonale Verwaltung Zug, Cablecom und local.ch. Ohne die offene Beantwortung unserer Fragen durch die vier verantwortlichen Projektleiter wäre der Vortrag nicht möglich gewesen – dafür auch hier herzlichen Dank.
An diesem Freitagnachmittag 1315-1445 (Anmeldung/Info) hört man alles, was hinter den hier verfügbaren Charts steckt: Folienübersicht zum Download. Als Zusammenfassung hier die gemeinsam formulierten Thesen für den Ausblick.
1. Wiki-Software wird besser
Tönt unvisionär – ist aber Voraussetzung für die weitere Verbreitung. Besser heisst nutzerfreundlicher und standardisierter. Heute geht es vielen Wiki-Pionieren wie uns Bloggern, bevor sich Wordpress durchgesetzt hat.
2. Der Einsatz von Blogs und Wikis in Unternehmen nimmt zu
Das Expertenduo Stuker/Bernet wagt einen Blick in die Glaskugel und meint: Diese beiden Instrumente sind so mächtig und so effektiv, dass es wohl wenig besseres gibt zur Optimierung des internen Wissens- und Informationsaustausches. Bei der internen Umsetzung gibts ein paar gröbere Fallgruben zu umgehen, und Wikis/Weblogs können nicht alles. Aber aus unserer Sicht wird sich das Web 2.0-Duo einen grossen Kuchen der Unternehmenssysteme abschneiden.
3. Die Unternehmenskultur wandelt sich
Ein Gemeinplatz? Ja, das auch. Aber in diesem Fall: So, wie wir ganz generell ein Verlagern des persönlichen Dialogs aufs Netz erleben, so geschieht das auch in Organisationen. Wenn plötzlich alle mit allen oder bei allem mitschwatzen, mitkommentieren, mitkreieren können – dann wirds unübersichtlich. Aber dort hin geht die Reise.
4. Dialog sichert Erfolg
Das sagen wir beide, weil wir Dialogberater sind. Jürg eher technisch, ich eher kommunikativ. Aber schon eine McKinsey-Studie hat gezeigt: Die Zukunft liegt im mitschwatzen, mitkommentieren, mitkreieren. Und da muss man halt einfach eine neue Dialogkultur aufbauen, die ziemlich vernetzt, ziemlich basisorientiert, ziemlich unkontrollierbar ist. Stimmt, McKinsey sind auch Berater.
5. Ohne Flankierung kein Erfolg
Stell Dir vor: Da gibts ein internes Weblog und niemand geht hin. Ein Wiki und nur der Initiant schreibt Beiträge. Gerade bei neuen technischen Anwendungen geht ob der Begeisterung die Integration vergessen: Was steht auf dem Weblog und was nicht? Wie bette ich das Wiki in die gesamte Wissensdokumentation ein? Wer weiss davon? Fragt man beim Quali-Gespräch nach den Anzahl Beiträgen?
Machen Sie die Liste länger. Oder kürzer. Echos?
Senden Sie Bloggern PR-Mitteilungen? Wenn ja – tiptop. Aber: Haben Sie vorher angefragt? Wenn nein – sofort nachholen.
Wie Marcel gestern im dritten von 5 Tipps für den Umgang mit Bloggern schreibt – die persönliche Anfrage vor der Aufnahme in den Medienverteiler ist enorm wichtig. Das betrifft natürlich auch die Anfrage an «andere» Medienschaffende. Sie könnten von verärgerten Empfängern sonst nämlich auf die schwarze Liste gesetzt werden.
So geschehen durch den berühmten Chris Anderson, Wired-Chefredaktor und «Long Tail»-Autor. Am 29. Oktober veröffentlichte er in seinem Blogeintrag «Sorry PR-People: You’re blocked» seine persönliche Blacklist. Dreihundert E-Mail-Adressen von PR-Schaffenden, die ihn anschrieben. Er schreibt dazu:
«I’ve had it. I get more than 300 emails a day and my problem isn’t spam (…), it’s PR people. Lazy flacks send press releases to the Editor in Chief of Wired because they can’t be bothered to find out who on my staff, if anyone, might actually be interested in what they’re pitching.»
Das verursachte natürlich eine ebenso grosse Flut von Kommentaren auf Andersons Blog. Von betupften PR-Leuten, die schnell wieder von der Liste wollten. Und von anderen, die das Vorgehen kritisierten oder lobten. Wer darf den Herrn Anderson noch anschreiben?
«I only want two kinds of email: those from people I know, and those from people who have taken the time to find out what I’m interested in and composed a note meant to appeal to that (I love those emails; indeed, that’s why my email address is public).
Zweifellos – das ist nicht die feine Art. VirtualBites spricht gar von «Notwehrüberschreitung». Es macht aber deutlich, wie viel wertvoller ein kleiner, gepflegter, treffgenauer Verteiler ist, anstelle einer riesigen, anonymen Adressliste. Und es zeigt auch, wie wertvoll der RSS-Service für Medienmitteilungen werden kann (s. pr-kloster.de). Für Medien- und PR-Schaffende.
(via medienlese.com)
Gerade mal 8 % der grössten Schweizer Unternehmen informieren Blogs, 3 % laden sie zu Pressekonferenzen ein. Und dies, obwohl zwei Drittel angeben, Blogs im Rahmen ihrer geschäftlichen Tätigkeit zu lesen. Hier der Detailchart aus unserer Studie und fünf Tipps für den PR-Dialog mit Bloggern.
Die Grafik aus der maz/Bernet Studie Web 2.0 (Download & Info-Link) zeigt eine extreme Pyramide: Von 67 % runter auf 3 %. Bei Blogs lesen, kommentieren oder selbst schreiben gehts runter bis 12 %. Bei der Frage, wer von den befragten grössten Schweizer Unternehmen und Organisationen Blogs auf dem Medienverteiler hat, sinds noch 8 %.
Nein, ich glaube nicht, dass 100 % die richtige Zahl wäre. Es geht nicht darum, Blogs auf jeden Fall und unbedingt zu bedienen. Aber woher kommt die Berührungsangst? Wenn man selbst Blogs für geschäftliche Zwecke liest und wenn bei dieser Frage die Fachblogs und journalistischen Blogs an erster Stelle genannt werden – wieso sind die dann nicht auf dem eigenen Presseverteiler?
Heute gehört es aus meiner Sicht zum Handwerk jedes PR-Verantwortlichen, die Blogosphäre zu verfolgen und einen bewussten Entscheid zu fällen, wie Blogs in der Unternehmenskommunikation berücksichtigt werden. Dazu fünf Tipps:
1. Lesen, lesen, lesen
Lesen Sie Blogs. Regelmässig. Immer wieder. Das ist ein grosser Aufwand – denn Ihr Zeitbudget für die Informationsaufnahme ist in der Regel eh schon überbucht. Jetzt auch noch Blogs lesen? Ja. Denn nur über das anhaltende Mitverfolgen erhalten Sie ein echtes Verständnis der Inhalte, Zielsetzungen, Vorstellungen von Bloggern.
Treffen Sie dazu eine Auswahl. Nutzen Sie Hilfsinstrumente wie RSS-Reader.
2. Ziele?
Nicht vergessen: Was sind Ihre Ziele? Worüber möchten Sie informieren? Wen möchten Sie erreichen? Können Ihnen auf diesem Weg Blogs weiterhelfen? Welche Netzwerke sprechen Blogger an? Was sind die Ziele der Blogger, die aus Ihrer Sicht relevant sind? Worüber schreiben sie, in welcher Regelmässigkeit und Qualität? Wenn Sie die Kommentare verfolgen oder das Impressum lesen: Wer wird diese Inhalte lesen, wer soll angesprochen werden?
3. Anfragen
Wenn es zu einer Ziel-Übereinstimmung kommt: Fragen Sie das betreffende Weblog an. Seien Sie gerade bei Blogs sehr selektiv und zielgenau – nur, wenn der Inhalt des Blogs wirklich etwas zu tun hat mit den von Ihnen betreuten Themen, dann sprechen Sie ihn an. Begründen Sie Ihre Anfrage mit Ihrem Wissen über das Blog. Seien Sie offen über Ihre Informationsinhalte und Absichten – damit die Blogger ganz klar entscheiden können, ob sie auf Ihren Verteiler möchten.
4. Bescheidenheit
Blogs sind nicht generell gleich zu behandeln wie Medien oder Journalisten. Oft haben sie keine Erfahrung im Umgang mit PR-Stellen. Blogger haben einen anderen Blickwinkel, sie sind in vielen Fällen sehr persönlich ausgerichtet, ihre Motivation ist nicht immer kommerziell ausgerichtet. Passen Sie Ihre Tonalität an, seien Sie nicht verkaufsorientiert, verlangend, pushy. Senden Sie nur dann Sachen, wenn Sie wirklich etwas zu sagen haben. Erwarten Sie in keiner Weise (positive) Berichterstattung über ihre Inhalte. Genauso wenig wie Sie das von Printmedien, Radio, TV eine Berichterstattung tun. Aber seien sie bereit und offen auf einen Dialog mit einem aktiven, kritischen Publikum.
5. Lesen, Kommentieren, Netzwerken
Bleiben Sie dran beim Lesen. Kommentieren Sie ausgewählte Blogs. Bauen Sie über die Zeit eine Beziehung auf. Besuchen Sie auch mal ein Bloggertreffen, lernen Sie Ihre Ansprechpartner persönlich kennen.
Noch einmal: Es kann sein, dass Sie niemals Blogs in Ihre Medienarbeit aufnehmen. Weil Ihre Ziele und die Ziele der existierenden Blogs keine genügende Überschneidung ergeben.
Ergänzungen zu den fünf Tipps aus PR- und aus Bloggersicht? Ich freue mich…
Mehr zum Thema live am MAZ-Bernet Seminar Corporate Blogging am 19. Mai 2008.
Letzte Woche hatte ich auf die Enterprise 2.0 Studie in Deutschland hingewiesen – jetzt habe ich den Zugang zum Download erhalten. Interessiert hat mich der Vergleich der Anwendung von Wikis und Weblogs.
Die Studie Enterprise 2.0 in Deutschland wurde durch Berlecon durchgeführt, im Auftrag von CoreMedia. Telefonisch befragt waren 156 Unternehmen aus wissensintensiven Bereichen mit mehr als 100 Mitarbeitenden. Der Fokus lag auf der internen Anwendung von Web 2.0-Anwendungen – deshalb lässt sich die Studie nur teilweise vergleichen mit unserem Forschungsprojekt Web 2.0 in der Schweiz. Hier der Chart, der mich interessiert hat:
Die Fragestellung ist vergleichbar – weil in unseren Resultaten nur die intern realisierten Wikis gelistet sind, und weil im Bereich Weblog die Hauptzahl der Nennungen ebenfalls im internen Bereich lagen. Fazit: Deutschland ist ein bisschen weiter. Das zeigt sich auch in dieser Aufstellung:

Mich erstaunen die hohen Anteile von intern eingesetzten RSS-Readern, Social Networks und Social Bookmarking. Leider sind die Fragen nicht nachlesbar. Bei Social Networks/Online Communities hätte mich interessiert, ob da wirklich interne Communities gemeint sind.
Zwei Grafiken teile ich gerne noch mit den geneigten Leser/innen. Den Link zum Download-Center lasse ich ganz höflich bei Coremedia – es ist wirklich schade, dass man sich dort zuerst registrieren muss, bis die Studie freigeschaltet wird.
Immer wieder wichtig in der Beurteilung von anstehenden internen Kommunikationsprojekten: Wo liegen die grössten Herausforderungen?
Die massenhaften E-Mails akzentuieren den Informations-Overload – und machen noch ungeduldiger, wenn es um interne Quellen geht. Das Intranet als schwer beurteilbarer Datenfriedhof hat eigentlich ausgedient. Und noch immer fragt man sich: Wie wichtig sind dort die Infos? Die weiteren Antworten zeigen, wie schwierig das Einführen effizienter Wissenswerkzeuge bleibt.

Spannend – wir Marketing- und PR-Heinis sind die treibende Kraft für die Einführung neuer Online-Anwendungen. Gut, vielleicht haben Vertreter aus diesen Abteilungen auch die meisten Telefon-Interviews mitgemacht??
Bei unserer Studie zur Nutzung von Web 2.0 in Schweizer Grossunternehmen hatte die hohe interne Nutzung von Blogs und Wikis überrascht. Bei Karsten Füllhaas habe ich einen interessanten Link zu einer Studie in Deutschland gefunden.
Hier der Original-Post von Karstens Blog Crossmediale Kommunikation. Er fasst sehr gut zusammen, was dabei herausgekommen ist. Überraschend: Über 90 % benutzen Weblogs, Wikis, Bookmark-Plattformen NICHT abteilungs- oder unternehmensübergreifend. Sondern nur in isolierten, kleinen Inseln. Leider konnte ich noch nicht verifizieren, wieviele Unternehmen denn überhaupt diese Web 2.0-Möglichkeiten intern nutzen – man muss sich für den Studien-Download registrieren und dann lange auf ein Mail mit Passwort warten… Hier die Quelle: Coremedia.
Gerade habe ich vor rund 60 Teilnehmenden die Resultate der Studie präsentiert. Unten das Handout und ein paar Eindrücke.
Das Handout zur Präsentation (PDF, 2.4 MB) zeigt alle Slides. Klar, die geben nur einen Eindruck des Referats. Aber bestimmt interessant sind die vielen Grafiken. Obwohl die natürlich in der Studie selbst auch drin sind, detaillierter und nicht Keynote-3D.
Gut angekommen ist mein Analogie zur Titanic. Ja, dieses Bild ist mir im Rahmen der Studienarbeit mal eingefallen: Hätte man eine zweite Titanic auch 2.0 genannt? Technisch war sie ja einwandfrei gebaut – versagt hat man bei der Bedienung. Wie die Ressourcen eingesetzt wurden. Dass jemand den Schlüssel zum Kasten mit dem Feldstecher auf einem anderen Schiff verlegt hatte. Hier das Slide mit dem Zitat (aus diesem Klartext-Interview, sehr interessant) von Res Strehle, stellvertretender Chefredaktor Tages Anzeiger und Projektleiter für das grosse Online-Portal von TA Media, Espace Groupe und Basler Zeitung Medien.
Darüber haben wir denn auch am längsten diskutiert: Der Weg zum Mitmach-Web heisst für klassische Unternehmen, dass sie den klassischen Top-Down-Pfad verlassen müssen. Das braucht «..verdammt viel Ressourcen..» wie Peter Hogenkamp bemerkte. Oder Harald Taglinger: «Es verlangt eine andere Unternehmenskultur.»
Was mich gefreut hat: Die Studie kommt gut an. Man ist froh um diese Erhebung, weil sie ein wenig konkretisiert, was wirklich läuft. Ungläubige Reaktionen gabs auf die hohe Prozentzahl von Video- und Audio-Podcasts. Dazu Urs Bucher: «Wenn man ein Filmchen von der GV auf der Website hat, dann verstehen das wohl die meisten schon als Podcast.»
Damit sind wir beim Thema Statistiken, Umfragen generell. Ich verstehe die Resultate nicht als sakrosankt. Sondern als interessanter Fingerzeig, der eine allgemeine Richtung angibt.
Hier zur Studie was auf Englisch, habe ich bei Bruno Giussani geschrieben.
Heute präsentieren wir die maz/Bernet Studie Web 2.0 am Lunch-Event des Internet-Briefing. Hier die wichtigsten Resultate in Kurzform.
Hier der der Gratis-Download als PDF mit 15 Grafiken, Fazit und allen Ergebnis-Details. Man muss nur Ja sagen zum Copyright und das PDF rutscht vom Server.Für alle, die schnell das wichtigste möchten: Hier mein persönlicher Eindruck.
Am meisten überrascht hat mich, dass
- die Kommentarfunktion für normale Webseiten bereits von 24 % der Schweizer Unternehmen und Organisationen eingesetzt wird.
- und weitere 24 % planen diese Öffnung. Technisch ist diese aus Weblogs bekannte Funktion ja schnell umgesetzt. Aber wer sich so öffnet, der braucht vor allem auch personelle Ressourcen fürs schnelle und kompetente Lesen und Beantworten.
- dass sage und schreibe zwei Drittel aller Befragten angeben, sie lesen Weblogs im Rahmen ihrer geschäftlichen Tätigkeit. Wow. Gut, vielleicht ists wie bei den Umfragen zur Erhebung der Leserzahl von Printprodukten: Bei der NZZ sagen alle Ja, die lese ich. Und bei Penthouse weniger. Weblogs lesen gehört zum guten Ton. Aber auch wenn man die Ja-Antworten mal um 10 Prozent kürzt: Es scheint, dass sich Fachblogs, journalistische Blogs und Konsumentenblogs, politische Blogs und die der Konkurrenz einen festen Platz im Zeitbudget der Kommunikatoren ergattert haben.
- dass 13 % eigene Wikis betreiben, vor allem für interne Zwecke. Und 13 % planen die Einführung dieser von mehreren Autoren geführten Datenbank für die nächsten zwei Jahre.- dass knapp die Hälfte der Schweizer Unternehmen und Organisationen ein Monitoring von Online-Inhalten durchführt. Und dass dies von 60 % der Befragten intern gelöst wird, bei den externen Lösungen stehen klassische Presse-Beobachtungsdienste mit 28 % der Nennungen im Vordergrund.
Nicht überrascht hat mich
- dass nur gerade 15 % Blogs kommentieren und nur 12 % selbst ein Blog führen. Interessant ist, dass die wenigen Weblogs vor allem intern eingesetzt werden. Immerhin gibt etwas mehr als ein Viertel an, Weblog-Pläne zu haben.
- dass sich Video- und Audio-Podcasts auf Webseiten etabliert haben (Ja und geplant für Videos bei 63 %, Audio bei 55 %).
- dass RSS noch viel weniger verbreitet ist als die E-Mail-Abo-Variante: 13 % setzen RSS ein, 45 % E-Mail.
- dass Austauschplattformen für Links, Videos und Bilder noch ganz unten durch müssen: 5 % platzieren Links auf öffentlichen Drehscheiben, 10 % Videos und 7 % Fotos.
- dass Virtuelle Welten wie Second Life noch die grössere Ablehnung erfahren: 7 % geben an, präsent zu sein und 92 % sagen «Nein und wir haben auch keine entsprechenden Pläne».
- dass es eine interessante Verbindung gibt: Wer ein Online-Monitoring betreibt, der ist signifikant aktiver in der Anwendung von Web 2.0-Möglichkeiten.
Fazit: Erstmals wissen wir genauer, was die Entscheidungsträger in den Kommunikationsabteilungen von Schweizer Unternehmen und Organisationen wirklich tun bezüglich Mitmach-Web. Für mich zeigt sich ein für die Schweiz typisches, unaufgeregtes, nutzenorientiertes Verhalten: Was Business-mässig Sinn macht, wird gemächlich angewendet. Zuerst einmal intern. Das bietet immer noch Aufmerksamkeits-Chancen für Pioniere mit viel Geld oder Enthusiasmus. Und auch, wenn wir noch nicht überall so weit sind, wie es Web 2.0-Gurus vielleicht gerne hätte – für mich zeigt sich ganz klar eine Entwicklung hin zu mehr Aktualität, mehr Zielgruppenorientierung, mehr Dialog.
Als Online-PR-Praktiker haben wir in unserem neuesten Anstoss-Newsletter zur Studie gleich fünf Tipps für die Kommunikationsstrategie formuliert. In den nächsten Tagen werden wir hier lose auf einige weitere Details der Studie eingehen, mit Grafiken. Hintergründe zur Entstehung der Studie in diesem Beitrag.
Diese Woche wird wohl zur Studienwoche: Morgen findet die Präsentation beim Internet-Briefing statt und ich stecke mitten im Folien zeichnen. Morgen wird hier ein Beitrag dazu erscheinen, dann in loser Folge weitere. Hier ein Vorge- schmack zum Einsatz von Wikis in der Schweiz und bei Bernet PR.
Schön, dass dank vieler Anmeldungen das Lokal gewechselt werden musste – morgen auf 11.30 Uhr sind mittlerweile 52 Personen angemeldet, sagt Reto Hartinger. Hier das Programm für den Anlass samt Anmeldung.
Und zum Aufwärmen zeige ich eine Grafik zum Thema Wiki. Mich hat es überrascht, dass bereits 13 Prozent der grössten Schweizer Unternehmen und Organisationen eigene Wikis aufgebaut haben. Angezeigt durch den kleinen blauen Balken unten links.
Interessant ist die Aufteilung nach Anwendungsbereichen: 11 % nennen interne Wikis. 2 % unterhalten ein Wiki für und mit externen Zielgruppen. 4 % geben an, in fremden Wikis selbst Beiträge zu verfassen. Und 13 % planen ein eigenes Wiki in den nächsten zwei Jahren.
Wir haben gerade erst ein eigenes Wiki eingeführt – und dabei viel gelernt. Ausschlaggebend waren die tiefen Kosten für die Open Source Programme und der sehr einfache Editor. Jetzt haben wir alle Anleitungen und Prozessdefinitionen im Wiki abgebildet und jeder im Team kann einfach etwas Neues reinschreiben oder Bestehendes aktualisieren. Entscheidend ist wirklich die Einfachheit im Zugang – als Autor wie als Leser.
Steil war die Lernkurve bezüglich Konzept und Programmierung: Auch die beste Software braucht eine klare Idee bezüglich Inhalt und Struktur. Sonst trägt am Schluss jeder Benutzer irgendwo eine eigene Seite ein, und niemand findets. Und jeder schreibt im Seitenaufbau ein wenig anders, was die Orientierung sehr schwer macht. Bei der Programmierung haben wir mit liip.ch zusammengearbeitet und DokuWiki gewählt. Einen super Job hat liip beim Erstellen eines Rich-Text-Editors geleistet – die Wiki-Syntax ist für Nicht-Programmierer ganz einfach zu komplex.
Seit diesem Frühling arbeiten wir an einem Forschungsprojekt über die Nutzung von Web 2.0 in der Schweiz. Weil mich immer interessiert hat, wie weit Guru-Prophezeihungen und Business-Realität hierzulande auseinander klaffen. Am 6. November über Mittag präsentiere ich die Resultate.
Die Präsentation findet im Rahmen eines Internet-Briefing-Lunch statt, organisiert von Reto Hartinger, hier die Details samt Anmeldemöglichkeit. Am Nachmittag werden die Fakten natürlich auch auf unserer Website und hier im Blog publiziert.
Möglich wurde die Befragung dank der Zusammenarbeit mit dem MAZ und der wissenschaftlichen Projektleitung durch Guido Keel von der zhaw. In der Ausschreibung für den Lunch findet man erste Hinweise zu den Resultaten, der Studienfinish samt Präsentation entsteht nächste Woche. Angefragt waren die grössten Schweizer Unternehmen, Verwaltungen, Verbände und NGOs, ausgefüllt haben den Online-Fragebogen 104 Antwortende. Damit ist es neben Studien wie euroblog2007 und European Communication Monitor (bei Jürg Stuker gefunden) erstmals möglich, einen repräsentativen Blick in die Schweizer Realität zu werfen.
Die allgemeine Richtung, die sich abzeichnet: Insgesamt ist die Zurückhaltung in vielen Bereichen so gross, wie ich sie erwartet habe. Vor allem Second Life und Austauschplattformen wie Flickr, YouTube, del.icio.us werden kaum genutzt. Und auch bloggen mögen noch ganz wenige – aber weit mehr als die Hälfte der Schweizerr Unternehmen liest Weblogs im Rahmen ihrer geschäftlichen Tätigkeit. Interessant sind die Antworten bezüglich Feedback-Möglichkeiten und benutzergenerierte Inhalte – aus meiner Sicht zeichnet sich hier ein Wandel ab. Überraschend breit werden Wikis eingesetzt, vor allem im internen Bereich.
Natürlich ist die Interpretation des Zahlenmaterials immer Ansichtssache: Sind ein Viertel der Schweizer Unternehmen nun viel, wenig oder ein vielversprechender Anfang? Ich habe versucht, objektiv zu bleiben. Ach ja, da fällt mir Mark Twain ein: Es gibt drei Sorten von Lügen: Lügen, verdammte Lügen, Statistiken.
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